Algarve Tourism Bureau / Associação Turismo do Algarve
Gewächse mit viel Potenzial: Die Weine der Algarve
Woran denken Sie beim Stichwort Algarve zuerst? Sicherlich an goldgelbe Sandstrände, an rötlich schimmernde Klippen, an das satte Grün der vielen Golfplätze und an das köstliche Essen in den vielen quirligen Städten der beliebten Urlaubsregion. Was aber viele Urlauber nicht wissen: Die Algarve ist auch die Heimat ausgezeichneter, charakterstarker Weine.
Dabei kann die Algarve auf eine lange Tradition im Weinbau zurückblicken: Bereits die Phönizier brachten vor rund 2.000 Jahren Rebstöcke mit an Portugals Südküste, wo diese bald prächtig gediehen. Ein staatliches Erneuerungsprogramm um die Jahrtausendwende brachte zusätzlichen Schwung in die Weinszene der Algarve. Junge, kreative Winzer erkannten das enorme Potenzial der Region und begannen, alte autochthone Rebsorten wie die Negra Mole oder Crato Branco wiederzuentdecken und daraus (und aus international bewährten Varietäten) mit modernen Methoden Weine zu erzeugen, die von Jahrgang zu Jahrgang besser wurden. Kein Wunder also, dass Algarve-Weine heute zu den besten Portugals gezählt werden.
Gut 60 Produzenten bewirtschaften derzeit rund 14.400 Hektar Rebfläche und erzeugen dort jährlich etwa 1,2 Millionen Liter Wein. Gewächse mit Charakter, die zu ca. 70 Prozent vor Ort getrunken werden; nur ein kleiner Rest von 30 Prozent wird in andere Regionen Portugals oder ins Ausland exportiert.
Die meisten der Weingüter, die unter der Herkunftsbezeichnung Lagos, Portimão, Lagoa und Tavira sowie der geografischen Angabe Algarve zertifizieren, offerieren neben ihren Weinen auch attraktive Önotourismus-Angebote von der Verkostung über Picknicks in den Weinbergen bis hin zu Übernachtungen.
Wir stellen Ihnen nachfolgend fünf Winzer und ihre Produkte vor, die zur Spitze der regionalen Weinszene gehören.
Arvad Wines
Gerade einmal neun Jahre alt ist das wunderschön am Ufer des Rio Arade-Flusses gelegene Weingut – jenem Fluss, über den einst die Phönizier die ersten Rebstöcke an die Algarve brachten. „Arvad“, das ist ein altes Wort für Zufluchtsort. Sogar einen eigenen Bootsanleger hat das Weingut – prima für Bootstrips von und nach Portimão.
Seitdem Pedro Garcia de Madros das Weingut im Jahr 2016 gründete, wird hier die lange Weinbautradition der Algarve mit einer modernen Philosophie verbunden. Auf 14 Hektar Rebfläche wachsen klassische Sorten wie Cabernet Sauvignon, Alicante Bouschet und Touriga Nacional, bei den Roten sind es Sauvignon blanc, Alvarinho und Arinto, wobei man die beiden letzteren auch als typische Weine für den Vinho Verde aus dem Norden kennt. Die eigentliche Spezialität der Arvad-Weine ist aber die Negra Mole, eine lokale Rebsorte, die sowohl rote wie weiße Trauben tragen kann und – da sie lange Zeit nur für belanglose Massenweine verwendet wurde – im gehobenen Weinsegment fast vergessen war. Anders, bei Arvad, wo aus der Negra Mole feine, leichte und moderne Weine mit dezenter Säure, feinem Tannin und frischer Frucht gewonnen werden, die in 750-Liter-Terracotta-Amphoren reifen.
Die erste Weinlese bei Arvad fand 2019 statt, ein Jahr später kamen die ersten Weiß- und Roséweine, 2021 schließlich die ersten Roten auf den Markt, seit dem vergangenen Jahr gibt es auch einen Schaumwein.
Besucher sind auf dem Weingut immer willkommen. Neben herkömmlichen Führungen und Verkostungen kann man z.B. auch intime Picknicks inmitten der Weinberge oder Mittagessen am Ufer des Arade (für Gruppen) buchen.
Mehr Infos unter arvad.pt/en/
Morgado do Quintão
Deutlich weiter als bei Arvad Wines reicht die Geschichte des Weinguts Morgado do Quintão zurück: Das Anwesen bei Lagoa wurde bereits im Jahr 1810 gegründet. Seitdem befindet es sich im Familienbesitz und überstand alle politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts . Heute wird das Gut von der vierten Familiengeneration bewirtschaftet. Noch älter als die Geschichte des Anwesens ist der mächtige Olivenbaum im Hof der Quinta: Er soll rund 2.000 Jahre alt sein und bietet heute eine wunderbare Kulisse für gemütliche, weinselige Tafelrunden an der Farmer’s Table.
Seit 2016 führt Filipe Caldas de Vasconcellos das Familienunternehmen, im Keller wird er von Winzer Joaquim Imaginário unterstützt, der wiederum von Önologin Joana Maçanita beraten wird. Zum Gut gehören 60 Hektar Land, 23 davon sind mit Rebstöcken bestückt, die meisten schon sehr, viele sogar über 30 Jahre alt. Seit 2024 tragen die Weine der Morgado do Quintão das Biosiegel. Die Böden zwischen den Rebstöcken werden von Schafen und Ziegen gepflegt. Die Lage ist für den Weinbau ideal: Tagsüber bekommen die Reben reichlich Algarve-Sonne, nachts bringen kühle Winde von den Bergen Frische in den Wein, der vom Terroir aus Sand, Lehm und Kalkstein geprägt wird und dem die Winde vom Meer oft einen Hauch Salzigkeit verleihen.
So traditionsreich das Weingut, so modern sind seine Weine – was sich auch auf den geradlinig und minimalistisch designten Etiketten widerspiegelt. Beim Ausbau der Gewächse geht man verschiedene Wege: Der Crato Branco aus dem Stahltank entpuppt sich als frischer Weißwein mit gelben Frucht- und Zitrusnoten, der in 140 Jahre alten Tonamphoren gereifte Branco de Ânphora zeigt strohgelbe Farbe und ist mit seiner feinen Mineralität der ideale Begleiter zu Austern aus der nahen Ria Formosa, der Crato Branco aus dem Eichenfass begeistert mit Frische und der tiefen Aromatik alter Reben. Auch auf Morgado do Quintão hat man die Negra Mole-Rebsorte wiederbelebt und keltert daraus Rote und Weiße mit viel Struktur.
Besucher können auf dem Weingut auch eine oder mehrere Nächte verbringen. Inmitten der Weinberge, Olivenhaine, Feigen und Mandelplantagen verbergen sich drei hübsch renovierte Steinhäuser mit jeweils mehreren Schlafzimmern, komplett ausgestatteter Küche und Pool. Die ideale Unterkunft, wenn man in Ruhe genießen auch die verschiedenen gastronomischen und önotouristischen Angebote des Guts, den Wellness-Bereich und verschiedene Ausflugs-Programme will.
Mehr Infos unter www.morgadodoquintao.pt/en/wine
Quinta do Barranco Longo
Die Quinta do Barronco Longo wurde 2001 von dem Winzer Rui Virginia in Algoz unweit der Stadt Silves gegründet und hat sich seitdem zu einem der renommiertesten Weingüter der Region entwickelt. Auf einer Rebfläche von 120 Hektar gedeiht eine Vielzahl verschiedenster Traubensorten, die auf kalkhaltigem Boden und bei jährlich über 3.000 Sonnenstunden beste Bedingungen vorfinden.
Bei den Weißweinen kommen vor allem Arinto, Encruzado , Chardonnay, Viognier und Sauvignon blanc zum Einsatz, bei den roten Trauben dominieren Touriga Nacional, Cabernet Sauvignon, Aragonez und Alicante Bouschet.
Im Weinberg der Quinta spielt Nachhaltigkeit ein große Rolle. Die Lese des Traubenguts erfolgt von Hand, im Keller setzt man auf modernste Technik.
Das Sortiment der Quinta ist sehr vielfältig und ist für die Frische, aromatische Komplexität und moderne Stilistik der Weine bekannt. Neben sortenreinen Gewächsen, die zum Teil auch als Reservas erhältlich sind, gibt es auch eine Reihe verschiedener Cuvées. Auch Espumantes in Weiß und Rosé sind erhältlich. Als besondere Spezialität gilt der aus Moscatel-Trauben erzeugt „KO“ – ein einer Trockenbeer-Auslese ähnlicher Dessertwein.
Mehr Infos unter www.quintadobarrancolongo.com/en/wines
Quinta do Canhoto
Nur einen Katzensprung vom beliebten Touristenzentrum Albufeira entfernt liegt die Quinta do Canhoto an der Schnittstelle zwischen der Küste und dem dahinter liegenden Barrocal. Die Geschichte der Familie und ihre Tradition im Weinbau lässt sich bis ins Jahr 1875 zurückverfolgen. 1958 ging die Quinta schließlich an Antonio da Libânia über, den Großvater der Geschwister Josefina Fernandes und Edgar Vilarinho, die das Weingut heute leiten.
Quinta do Canhoto heißt auf Deutsch „Weingut des Linkshänders“ – der Name ist angeblich einem Arbeiter zu verdanken, der vor langer Zeit hier arbeitete. Doch auch Antonio da Libânia war Linkshänder, und selbst die heutige Önologin Josefina soll Linkshänderin sein – natürlich eher Zufall als Voraussetzung für den Erfolg…
22 Hektar gehören heute zur Quinta, die Hälfte davon ist mit Rebstöcken bepflanzt, auf dem restlichen Gebiet dominieren alte Mandelbäume und Johannisbrotbäume – einer von ihnen soll sogar 400 Jahre alt sein!
Über viele Jahre hinweg verkauften die Inhaber des Weinguts ihre Lese an die örtliche Kooperative. 2007 dann reifte der Beschluss, die Weinberge mit ihrem sand-, kalk- und lössreichen Boden neu zu gestalten. Nach zwei Jahren der Planung pflanzte man Antão Vaz, Touriga Nacional, Syrah, Cabernet Sauvignon und Alicante Bouschet, ein Jahr später kamen noch Arinto-Stöcke hinzu. 2017 war es dann so weit – der erste Esquerdino Branco und der Rosé wurden abgefüllt, der erste Tinto war im folgenden Jahr reif für die Flasche.
Heute produziert die Quinta do Canhoto jährlich etwa 50.000 Flaschen, die meisten davon sind Cuvées, die zu trinken schlicht Spaß macht. Dabei wird im Weinberg streng auf eine naturnahe Bewirtschaftung und kluges Wassermanagement geachtet und viel Wert auf die Bewahrung der traditionellen Biodiversität gelegt.
Um den Absatz müssen sich Josefina und Edgar wenig Sorgen machen – dank der Nähe zu Küste kommen alljährlich etwa 12.000 Besucher auf die Quinta, die dort nicht nur einkaufen, sondern ein vielseitiges Önotourismus-Angebot wahrnehmen können. Neben herkömmlichen Kellereibesichtigungen und Verkostungen kann man sich z.B. auch mit einer guten Flasche und einem mit leckeren Delikatessen gefüllten Korb zum Picknick in den Weinberg zurückziehen oder im Anschluss an die Verkostung an einem Workshop in Wasserfarben-Malerei teilnehmen. Für die dabei verwendete Farbe wird – fast schon logisch – der hauseigene Wein verwendet.
Mehr Infos unter www.quintadocanhoto.com
Quinta dos Vales
Wo Kunst auf große Weine trifft: Die Quinta dos Vales in Estômbar unweit von Portimão ist ein etwas anderes Weingut. Es wurde 1989 gegründet und 2006 von dem deutschstämmigen Künstler und Wein-Enthusiast Karl Heinz Stock übernommen. Kein Wunder, dass man sich hier eher wie einem Open-Air-Museum als einer Quinta wähnt. Riesige Plastiken – mal üppige Frauenkörper, mal fliegende Elefanten, mal bunte Bären – bestimmen das Bild. Und doch sollte niemand die Qualität der hier produzierten Gewächse unterschätzen: Internationale und nationale Auszeichnungen gab es zuhauf, allein fünfmal wurde die Quinta dos Vales mit dem Titel „Bester Wein der Algarve“ geadelt.
Auf rund 20 Hektar wachsen 15 verschiedenen Rebsorten, darunter typisch portugiesische Varianten wie Touriga Nacional, Touriga Franca, Aragonês, Verdelho und Alvarinho, aber auch internationale Varietäten wie Alicante Bouschet, Syrah, Viognier und Cabernet Sauvignon. Daraus werden im Jahr und 150.000 Flaschen — teils sortenrein, teils als Cuvées – erzeugt. Seit 2023 leitet David Corticeiro, der zuvor Erfahrungen in anderen renommierten Regionen des Landes wie dem Douro, dem Dão und im Vinho Verde-Gebiet sammelte, die Kellerei.
Zugleich bietet die Quinta dos Vales interessierten Besuchern die Möglichkeit an, selbst tief in die Kunst des Weinmachens einzutauchen.
Beim „Bottle Blending Workshop“ lernen die Teilnehmer nach einer ausführlichen Besichtigung der Weinberge und der Kellerei, unter fachkundiger Anleitung aus den Grundweinen des Guts ihre ganz persönliche Cuvée zu kreieren. Diese wird dann zum Schluss in eine Flasche abgefüllt, sauber verkorkt und mit einem individuellen Etikett versehen – das perfekte Mitbringsel für die Lieben daheim.
Deutlich tiefer in die Materie führt die „Winemaker Experience“: Sie ist ein einzigartiges Projekt, das Weinliebhabern die Möglichkeit bietet, selbst Winzer zu werden, indem sie eine kleine Weinbergparzelle innerhalb des Weinguts erwerben oder pachten. Die Teilnehmer werden durch den gesamten Produktionsprozess begleitet – von der Auswahl der Rebsorte bis zur Kreation ihrer eigenen Cuvée – und genießen dabei kreative Freiheit, ohne die Last der Führung eines Weinguts tragen zu müssen. Jede Parzelle ist dabei so dimensioniert, dass sie jährlich etwa ein Fass (225 Liter) Wein produziert, wodurch ein perfektes Gleichgewicht zwischen Authentizität und einem unbeschwerten Erlebnis entsteht.
Önotouristische Angebote, die noch weiter ausgebaut werden, seitdem im vergangenen Jahr das Quartett João und Liz Cascão, Shane Leahy und Leonie Corcoran – alle vier stammen aus der Tourismusbranche – die Quinta übernommen haben. 32 moderne und komfortable Villen laden zum Urlaub im Hinterland der Küste ein, auch Langzeitaufenthalte sind möglich. Für die Gäste stehen zudem mehrere Pools, Tennisplätze und ein Minigolf-Platz zur Verfügung. Auch für Tagesbesucher ist viel geboten – vom Filmabend im Weinberg über Fado-Konzerte bis hin zu einem Yoga & Wein-Angebot.
Mehr Infos unter quintadosvales.pt
Weitere Informationen zur Algarve: www.visitalgarve.pt/de
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